Lippenbekenntnis

Neulich stand ich wie jeden morgen vor dem Spiegel und trug fein säuberlich Lippenstift auf – darauf bedacht, möglichst nicht daneben zu malen. Obwohl ich weiß, dass in spätestens zwei Stunden nicht mehr als ein verschmierter Abdruck auf der Kaffeetasse von meinen Bemühungen zeugen wird, trage ich weiter rote Textur auf, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin.

Die Abhängigkeit von Lippenstift und anderen Kosmetika scheint all die Frauen zu beherrschen, die ihr Gesicht tagtäglich ins rechte Licht rücken wollen. Sinnlich, dominant, reich und verrucht, erfolgreich und extravagant – kaum ein anderer Gegenstand dieser Größe, ist mit so vielen Eigenschaften behaftet. Fasziniert davon, welchen Einfluss das bisschen Farbe auf unser Selbstbewusstsein sowie auf unser Verhalten nimmt, habe ich mich in meiner kleinen Recherche dem Phänomen Lippenstift gewidmet.
Farbe auf den Lippen, insbesondere Rot, galt schon bei den Pharaonen als Statussymbol. Wurde damals Zinnoberpaste als Gleichstellungsmerkmal zu den Göttern aufgetragen, sind es heute Chanel und Dior, welche die innere Göttin in uns Frauen wecken. Auch große Frauen der Geschichte, wie beispielsweise Elisabeth I. hoben sich mit roten Lippen von der unteren Gesellschaft ab und traten der Männerwelt selbstbewusst entgegen. Der Siegeszug roter Lippen setzte sich weiterhin fort und zeigte sich während des zweiten Weltkrieges als patriotisches Accessoire. In Nuancen wie Victory Red und Patriot Red zeigten die Alliierten Damen Flagge und machten das Accessoire zur politischen Notwendigkeit. Schauspielerinnen wie Sarah Bernhardt, welche den Lippenstift als „Zauberstab des Eros“ bezeichnete und Ikonen wie Marilyn Monroe, verdankt der Lippenstift seit dem 20. Jahrhundert sein erotisches wie glamouröses Image.

Lippenbekenntnis: Eine Hommage an meinen Lippenstift
Ich habe mich mal wieder im zeichnen versucht – diesmal via App auf dem Tablet: Gefällt euch das Ergebnis?

Auch heute setzen wir Lippenstift dazu ein, attraktiver auf andere zu wirken, Aufmerksamkeit zu erregen und ein Statement zu setzen. Dass das wirklich funktioniert ist inzwischen durch diverse Studien belegt worden. So werden Frauen mit farbigen Lippen (vorzugsweise rot) deutlich häufiger von Männern angesprochen. Auch bei Präsentationen erhält man mit geschminkten Lippen mehr Aufmerksamkeit und kann mitunter sogar überzeugender wirken. Ich jedenfalls werde bei meinem täglichen kleinen Ritual festhalten, sorgfältig meine Lippen anzumalen und das, obwohl ich weiß, dass er bald auf meiner Kaffeetasse landen wird – denn das wunderbare Gefühl von Glamour, Schönheit und Selbstbewusstsein bleibt mir, einmal aufgetragen, den ganzen Tag erhalten. 😉

Liebste Grüße, Eure Natalie

Quellen:

Katja Iken, Gesche Sager | Rausch in Rot | Kultobjekt Lippenstift | Spiegel Online

Rot macht schön

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